Die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen ist eine der drängendsten Herausforderungen der internationalen Sicherheit. Doch wie können technische Innovationen, gesellschaftliche Prozesse und politische Verantwortung zusammenwirken, um dieser Bedrohung zu begegnen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Panels „Technik, Macht, Verantwortung: Interdisziplinäre Forschungszugänge zu Nichtproliferation von Massenvernichtungswaffen“, das Wissenschaftler*innen von VeSPoTec und CNTR auf dem Jahreskolloquium der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung zusammenbrachte.
Das Panel, geleitet von Linda Ostermann (RWTH Aachen University), zeigte auf, wie unterschiedliche Wissensbestände – von der Technikfolgenabschätzung bis zur Friedens- und Konfliktforschung – gemeinsam neue Perspektiven auf die Nichtverbreitung von Atom-, Bio- und Chemiewaffen eröffnen können. Ziel sei es, methodische und thematische Schnittstellen sichtbar zu machen und gemeinsame Forschungspotenziale, aber auch Grenzen, auszuloten.
Die Beiträge des Panels spiegelten die Bandbreite der Herausforderungen wider:
- „Societal Verification“ als neuer Weg: Robin Möser (CNTR) präsentierte einen alternativen Verifikationsansatz, der gesellschaftliche Akteure stärker in die Überprüfung nuklearer Nichtverbreitung einbindet.
- KI und Biotechnologie: Chancen und Risiken: Dunja Sabra, Johannes L. Frieß und Gunnar Jeremias (Universität Hamburg, ZNF) analysierten, wie künstliche Intelligenz und Biotechnologie die Sicherheitsarchitektur verändern.
- Simulationen als Spiegel der Realität: In einer ethnografischen Studie untersuchten Linda Ostermann, Julian Schäfer und Maximilian Tkocz (RWTH Aachen/PRIF) eine nukleare Abrüstungssimulation.
- Chinas nukleare Ambiguität: René Geiser und Laura Mertes (RWTH Aachen/CNTR) beleuchteten, wie China mit dem Reaktortyp CFR-600 technologische Mehrdeutigkeit als Sicherheitsstrategie nutzt.
Die Podiumsdiskussion machte deutlich: Die Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen erfordert neuartige technische Lösungen in Verbindung mit einem tiefgreifenden Verständnis der aktuellen sozialen und politischen Dynamiken, die die internationale Nichtverbreitungsdebatte prägen bzw. ihr zugrunde liegen.