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Atomare Stärke und Frieden – Passt das zusammen?

Ein Mann und eine Frau sitzen einander an einem Tisch gegenüber und sprechen in Podcast Equipment. Im Hintergrund steht das PRIF Roll-Up.
Im Gespräch: Malte Göttsche über die Realität nuklearer Abschreckung und Aufrüstung

„Ob das nun 12.000 sind oder 10.000, das macht in meinen Augen fast keinen Unter­schied – es ist einfach unglaublich, was für ein Zerstörungs­potential wir als Mensch­heit geschaffen haben,“ antwortete Malte Göttsche auf die Frage hin, wie viele Atom­waffen es derzeit auf der Welt gebe.

Am Mittwoch, den 27. August 2025, luden das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF) und die Katholische Akademie Rabanus Maurus/Haus am Dom zum live Pod­cast mit Malte Göttsche über nukleare Ab­schreckung und Aufrüstung ein. Im Zentrum des Ge­sprächs mit Studienleiterin Yvonne Kathrin Zelter stand die Frage, ob eine Perspektive der nuklearen Ab­rüstung realistisch sei oder ob sie die Sicherheit der Staaten schwächen könnte. Jetzt ist das Ge­spräch als erste Folge der Halbjahres-Podcastreihe „Stärke*Schwäche” er­schienen. 

Als Co-Sprecher des Clusters Natur- und Technikwissenschaftliche Rüstungskontrollforschung (CNTR) und Leiter der Forschungsgruppe Science for Nuclear Diplomacy erläuterte Göttsche, wie naturwissen­schaftliche Forschung zur Begrenzung der Gefahren beitragen kann, um lang­fristig nachhaltigen „wahren Frieden” zu fördern, den es in seinen Augen „nur ohne Atom­waffen” geben kann. Heute existieren rund 12.000 Atomwaffen weltweit, die über­wiegend im Besitz der USA und Russlands sind. Gerade durch die jüngsten US-Angriffe auf iranische Atom­anlagen sei jedoch auch die nukleare Bedrohung durch Atomwaffenverbreiter wie den Iran größer als je zuvor. 

Neben technischen Details – etwa dem Unter­schied zwischen taktischen und strategischen Atomwaffen oder der Rolle der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) – sprach Göttsche auch über die Signal­wirkung von Manövern wie dem jährlich stattfindenden NATO-Übungsszenario „Steadfast Noon“ oder der jüngsten russisch-belarussischen Übung „Zapad“, bei denen Träger­systeme für Nuklearwaffen integriert werden sowie die nuklearen Drohungen im Kon­text des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. 

Darüber hinaus erörtertere er so­genannte Verifikationsmechanismen, die nukleare Aktivitäten sowohl von Atom­waffen- als auch von Nichtatomwaffenstaaten überprüfen. Hier reisen Inspekteure in das jeweilige Land und kontrollieren die nuklearen Aktivitäten, aber auch aus der Ferne können beispiels­weise durch die Aus­wertung von Satellitenbildern, Statements von Politiker*innen, und Budgetplänen nukleare Aktivitäten nachverfolgt werden. Fest stehe, so Göttsche, dass wir uns derzeit in einer „qualitativen Aufrüstungs­spirale“ befinden: „Alle Kernwaffenstaaten modernisieren derzeit ihre Nuklear­programme.“ Besonders manövrierfähigere Ra­keten erhöhten zudem die Instabilität, da es immer schwieriger werde, sie zu detektieren und einzu­schätzen, ob ein atomarer oder konventioneller Angriff statt­findet. So entsteht die Gefahr, dass ein Atom­krieg auch aus Versehen ausgelöst werden kann.

Die gesamte Pod­cast-Folge mit Antworten auf weitere Fragen ist auf der Website vom Haus am Dom zu hören.

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