Während KI das Potenzial hat, Verifikationsprozesse zu stärken, birgt sie gleichzeitig neue Proliferationsrisiken, die globale Sicherheit bedrohen könnten. Im neuen Friedensgutachten 2026 widmet sich ein Kapitel u.a. genau diesem Thema: der Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Verifikation von Rüstungskontrollabkommen.
KI kann Datenanalyse, Überwachung und Compliance-Prüfungen in der Rüstungskontrolle deutlich verbessern. Durch den Einsatz von Maschinellem Lernen und Satellitenbildauswertung lassen sich z. B. Nuklear- oder Chemiewaffenprogramme effizienter überwachen. Die Autor*innen des Friedensgutachtenkapitels betonen, dass KI Echtzeitanalysen ermöglicht und so Verstöße schneller erkannt werden können. Besonders in schwer zugänglichen Regionen oder bei komplexen Waffenprogrammen könnte KI die Glaubwürdigkeit von Verifikationsregimen stärken.
Gleichzeitig wird vor den Gefahren eines Missbrauchs von KI gewarnt. KI könnte die Entwicklung unbemannter, selbstständig agierender Waffen beschleunigen, was die Kontrollierbarkeit von Rüstungsgütern erschweren würde. Auch sind viele KI-Technologien zivil und militärisch nutzbar (Dual Use) – eine klare Abgrenzung ist oft nicht möglich. Zudem kann KI auch eingesetzt werden, um Täuschungsmanöver zu verbessern, z. B. durch Deepfakes oder gefälschte Sensordaten, die Inspektionen untergraben. Abschließend warnen die Autor*innen davor, dass Staaten in einen KI-Rüstungswettlauf eintreten könnten, der die internationale Sicherheit gefährdet.
Um die Chancen von KI zu nutzen und Risiken zu minimieren, schlagen die Autor*innen des Kapitels die folgenden Maßnahmen vor:
- Internationale Regulierung: Entwicklung bindender Abkommen, die den militärischen Einsatz von KI in der Verifikation und Rüstung klar regeln.
- Transparenz und Vertrauensbildung: Staaten sollten KI-gestützte Verifikationsmethoden offenlegen und gemeinsame Standards entwickeln, um Manipulationen zu verhindern.
- Zivile Kontrolle: Stärkung unabhängiger wissenschaftlicher Gremien, die KI-Anwendungen in der Rüstungskontrolle bewerten und ethische Leitlinien entwickeln.
- Förderung von KI für den Frieden: Gezielte Investitionen in KI-Technologien, die die Verifikation stärken – z. B. durch automatisierte Überwachung von Abkommen oder Frühwarnsysteme für Proliferation.
Das Kapitel des Friedensgutachten 2026 macht deutlich: KI ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, dessen Einsatz in der Verifikation ein entscheidender Faktor für die globale Sicherheit sein wird. Ob sie als Katalysator für Abrüstung oder als Beschleuniger neuer Rüstungsdynamiken wirkt, hängt davon ab, wie die internationale Gemeinschaft sie reguliert und nutzt.
Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Gutachten der deutschen Friedensforschungsinstitute (BICC / IFSH / INEF / PRIF) und erscheint seit 1987. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten untersuchen darin internationale Konflikte aus einer friedensstrategischen Perspektive und geben klare Empfehlungen für die Politik. Das aktuelle Friedensgutachten ist am 8.6.2026 erschienen und trägt den Titel „Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen“.
Mehr zum Thema: Der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die globale Sicherheit war auch das Thema des CNTR Monitor 2025. Der kommende CNTR Monitor wird sich schwerpunktmäßig mit Verifikation befassen und erscheint im November 2026.