Die Debatte über den militärischen Einsatz von KI hat sich intensiviert, zunächst im Hinblick auf (tödliche) autonome Waffensysteme. Autonome Waffensysteme wählen selbstständig Ziele aus, setzen Prioritäten und greifen sie an, was sie tödlich macht, wenn Menschen im Visier sind. Die Debatten über diese Waffensysteme, die um 2010 aufkamen, finden sich nun in der UN-Waffenkonvention und in der UN-Generalversammlung wieder. Allerdings haben die Kritiker*innen der autonomen Waffen den Fokus der Debatte zu lange auf nur zwei kritische Elemente verengt: Zielwahl und Einsatz. Dies änderte sich erst kürzlich mit einer Debatte, die sich auf die breitere „Zuverlässigkeit“ militärischer KI und damit verbundene Versprechen oder nationale (militärische) KI-Strategien konzentrierte. Während sowohl der Umfang als auch die Fähigkeiten von KI im militärischen Kontext noch diskutiert werden, wird KI zunehmend auch in scheinbar unkritischen militärischen Bereichen eingesetzt. Während die Militärs dies als Gewinn an Effizienz und Anwendung in vermeintlich harmlosen Rollen und Funktionen feiern, wirft es ernste rüstungskontrollpolitische Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf die Beschleunigung der Kriegsführung und der Erosion der menschlichen Kontrolle. Auch wenn man das Interesse der Staaten am Einsatz militärischer KI anerkennt, sollten die Debatten über die Auswirkungen extensiver KI-Nutzung auf die Stabilität und die Sicherheit intensiviert werden, wobei auch Fragen jenseits der ethischen oder rechtlichen Aspekte in den Blick genommen werden sollten.
Bibliographische Angaben
Schörnig, N. (2025). Kriegsführung im Prozessortakt: Der zunehmende Einsatz von KI beim Militär. In: Göttsche, M.; Reis, K. & Daase, C. (Hrsg.). Neue Realitäten in der globalen Sicherheit durch KI. CNTR Monitor – Technologie und Rüstungskontrolle 2025. PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
Autor
Dr. Niklas Schörnig