Die Podiumsdiskussion wurde von CNTR als Beitrag zum Deutschen Forum Sicherheitspolitik organisiert, das jährlich von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) ausgerichtet wird. CNTR-Expert*innen kamen zusammen, um die Herausforderungen durch Dual-Use-Technologien zu erörtern. Die Veranstaltung beleuchtete die Komplexität der Regulierung von Technologien, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt sowie auf böswillige Weise missbraucht werden können, und betonte die Notwendigkeit robuster regulatorischer Rahmenbedingungen. Zurückzuführen sind diese Erkenntnisse vor allem auf den Ende 2024 erschienenen CNTR Monitor.
Kadri Reis eröffnete die Diskussion mit einem Blick auf die Dual-Use-Eigenschaften der Biotechnologie. Sie wies darauf hin, dass Fortschritte in der Gensynthese und KI den Zugang zu Technologien demokratisiert haben, die einst staatlichen Laboren vorbehalten waren. Während diese Demokratisierung Innovation fördert, wirft sie auch Bedenken hinsichtlich des Missbrauchs durch nichtstaatliche Akteure auf. Kadri Reis betonte das Fehlen eines kompetenten globalen Rahmens zur Regulierung dieser Fortschritte und verwies darauf, dass bestehende Verträge wie die Biowaffenkonvention veraltet seien und keine Durchsetzungsmechanismen besitzen.
Liska Suckau konzentrierte sich auf die Implikationen von additiven Fertigungsverfahren, insbesondere im Kontext des Russland-Ukraine-Krieges. Sie hob Beispiele für 3D-gedruckte militärische Objekte wie Drohnenteile und Minenlegesysteme hervor. Dabei diskutierte sie die Dual-Use-Risiken dieser weit verbreiteten Technologien und betonte, dass sie zwar Flexibilität und Innovation bieten, aber auch erhebliche Herausforderungen für die Regulierung darstellen, da sie äußerst leicht zugänglich für Hobbybastler*innen sind und somit nicht nur einer professionellen Nutzung zur Verfügung stehen. Daher betonte sie die Notwendigkeit von Regularien und Kontrollinstanzen, um Missbrauch durch extremistische Gruppen verhindern zu können.
Thomas Reinhold sprach über die Rolle von KI und Halbleitern im Militär. Er unterstrich die Bedeutung von Halbleitern für aktuelle KI-Trends und die geopolitischen Implikationen ihrer Lieferketten. So wies er darauf hin, dass China bei der Produktion von >28nm-Halbleitern führend ist, während die USA und Taiwan den Markt von Hochleistungs-Chips anführen. Er hob die strategischen Herausforderungen hervor, die sich aus globalen Abhängigkeiten ergeben, und die Notwendigkeit von europäischen Eigenkapazitäten. Reinhold empfahl die Erweiterung der Halbleiterproduktion und -forschung in der EU, die Nutzung globaler Abhängigkeiten und den Schutz strategischer Unternehmen vor ausländischem Einfluss.
Niklas Schörnig diskutierte die Entwicklung von Drohnen und betonte deren Dual-Use-Potenzial. Er wies darauf hin, dass Drohnen, die ursprünglich für asymmetrische Kriegsführung entwickelt wurden, zivile Anwendungen im Transport und Videobereich gefunden haben. Besonders sei die überraschende Nutzung kleiner Drohnen durch den IS gewesen, welche das US-Militär erst dadurch übernommen habe. Er diskutierte die Regulierungsherausforderungen durch Drohnen und das Fehlen spezifischer Vorschriften gegen deren Einsatz bei gezielten Tötungen und zivilen Schäden. Niklas Schörnig betonte die Notwendigkeit, dass das Militär das Dual-Use-Potenzial scheinbar unproblematischer ziviler Technologien erkennt.
Die Podiumsdiskussion endete mit einer Fragerunde, in der die CNTR-Forscher*innen verschiedene Ansätze zur Regulierung von KI und anderen aufstrebenden Technologien erörterten. Darunter fiel sowohl die Notwendigkeit von Risikobewertungen von Dual-Use-Technologien als auch die Bedeutung des Dialogs mit Expert*innen aus den Natur- und Technikwissenschaften, um die Auswirkungen der technischen Entwicklungen zu verstehen. So sollten sich Wissenschaftler*innen auch ermutigt fühlen, kreativ über zukünftige Militärtechnologien nachzudenken und sich mit Politiker*innen auszutauschen, um realistische Szenarien und Mechanismen für eine Rüstungskontrolle zu entwickeln.
Die Podiumsdiskussion unterstrich den dringenden Bedarf an umfassenden Governance-Rahmenwerken, um den Dual-Use-Herausforderungen durch aufstrebende Technologien zu begegnen. Die Forscher*innen betonten die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler*innen, Politiker*innen und Interessengruppen der Industrie, um verantwortungsvolle Innovation zu gewährleisten und potenzielle Risiken zu mindern.
Mit der Paneldiskussion gaben die Wissenschaftler*innen Einblicke in ihre aktuelle Forschung, die im nächsten Monitor im November 2025 zum Schwerpunktthema KI zusammenlaufen wird.