Benjamin Jung hat seine Dissertation mit dem Titel „On Isotopic Ratio Signatures for Nuclear Archaeology: A Bayesian Approach for Verifying Fissile Material Declarations“ an der RWTH Aachen abgeschlossen. Die Arbeit wurde von Malte Göttsche (CNTR/PRIF) und Achim Stahl (RWTH Aachen) betreut.
Friedliche, kooperative und nachhaltige nukleare Abrüstung erfordert technische Verifikationsmethoden, wie die der „nuklearen Archäologie“. In der Arbeit von Benjamin Jung wird die „Bayesian Reprocessing Waste Analysis Method“ (BRAM) weiterentwickelt. Diese Methode sieht vor, anhand von Isotopensignaturen in Proben von Wiederaufbereitungsabfällen den Betriebsverlauf von Reaktoren zu rekonstruieren, um Deklarationen von Spaltmaterial zu verifizieren.
Zunächst wurde ein neuer Algorithmus entwickelt, um die Auswahl der Isotopenverhältnisse zu optimieren, die als Grundlage für die Rekonstruktion dienen. Dieser vorgeschlagene Satz von Isotopenverhältnissen wurde so gewählt, dass er eine Unterscheidung zwischen drei verschiedenen Reaktortypen – PWR, PHWR und Magnox – ermöglicht und bisher vernachlässigte Inferenzparameter, nämlich den Anreicherungsgrad und die Leistungsdichte, rekonstruiert.
Mit zwei systematischen, simulationsbasierten Testreihen wurde gezeigt, dass diese Isotopenverhältnisse vier Reaktorbetriebsparameter erfolgreich rekonstruieren können. Dabei wurde eine Bandbreite möglicher Parameterkombinationen abgedeckt, wobei der Schwerpunkt auf niedrigen Abbrandwerten (0.1MWd kg−1 bis 9MWd kg−1) lag. Die erste Testreihe zeigte, dass eine Rekonstruktion von Parametern möglich ist, wenn Abfälle aus zwei Reaktorzyklen verschiedener Reaktoren in einer Probe vermischt wurden. Die zweite Testreihe zeigte, dass es möglich ist, bei unbekannter Herkunft der Probe zwischen drei Reaktortypen zu unterscheiden und gleichzeitig Rückschlüsse auf die Betriebsparameter zu ziehen.
Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurden erste Schritte zur Validierung der Methode anhand experimenteller Daten aus der SFCOMPODatenbank unternommen. Dabei ließen sich Parameter wie der Abbrand, die Leistungsdichte und der Anreicherungsgrad für einen Druckwasserreaktor sowie der Abbrand, die Abkühlzeit und die Leistungsdichte für einen Magnox-Reaktor erfolgreich rekonstruieren, was die Funktionsweise der Methode demonstriert und gleichzeitig die Notwendigkeit genauer Unsicherheitsanalysen hervorhebt.
Schließlich verdeutlicht eine simulationsbasierte Fallstudie anhand des nordkoreanischen 5MWe-Reaktors den potenziellen Nutzen des Bayes’schen Ansatzes: Sie zeigt, dass bestehende Annahmen über die Geschichte des Reaktors bestätigt oder widerlegt werden könnten und dass die Möglichkeit besteht, weitere Informationen über den frühen Reaktorbetrieb zu gewinnen. Insgesamt zeigt diese Arbeit vielversprechende Fortschritte bei der Entwicklung der BRAM als Methode zur Rekonstruktion der Betriebsgeschichte von Reaktoren und zur Überprüfung der nuklearen Abrüstung.